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NEW MOBILITY WORLD @IAA 2019Frankfurt/Main, 10. – 15. September, 2019
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Die Probleme der letzten Meile

By Editorial Team on April 13, 2018

Alles begann mit dem kometenhaften Aufstieg des Onlinehandels. Im Lieferverkehr dominierte zuvor in der Regel der B2B-Versand – größere Lieferungen an einen festen Standort, mit einem Mitarbeiter, welcher die Ware entgegennahm. Sicher, auch zu der Zeit existierte ein florierender Versandhandel, aber das Volumen war deutlich geringer. Die Verkehrsinfrastruktur vieler Städte war eher in Richtung B2B-Lieferungen ausgelegt. Doch der wachsende E-Commerce-Sektor, und der damit verbundene starke Anstieg an Paket- und Päckchenlieferungen, hat die Verhältnisse deutlich verschoben.  

Diese neue Gemengelage auf der letzten Meile (der finale Schritt des Versandprozesses, vom Depot des Paketdienstleisters an die Haustür des Kunden) stellt Städte, Versanddienstleister und Kunden vor immense Probleme – und ist mittlerweile eine der größten Herausforderungen der urbanen Logistik.

Die städtische Verkehrsinfrastruktur bekommt seine Grenzen aufgezeigt

Warum? Vielleicht lässt sich die Problematik am ehesten mit einigen Zahlen beschreiben: 2016 wurden allein in Deutschland 3,16 Milliarden Pakete ausgeliefert – beinahe doppelt so viele wie noch im Jahr 2000. Die Tendenz ist auch weiterhin steigend. Mittlerweile macht der Lieferverkehr bis zu 30% des Verkehrsaufkommens in Städten aus, sorgt für 80% der Staus in Stoßzeiten. Ein Beispiel warum: Vielerorts gibt es keine geeigneten Parkflächen für Lieferfahrzeuge. Sie parken in der Folge oft in der zweiten Reihe. Das Staurisiko steigt so enorm.

Während der B2B-Versand oft die Lieferung größerer Mengen an einen festen Standort mit abgemachter Entgegennahme bedeutet, verhält es sich im B2C-Versand genau gegenteilig. Zig kleine Mengen und Pakete müssen an diverse Orte gebracht werden, oft ist der Empfänger nichtmals zu Hause. Das Paket muss wieder mitgenommen und zu einem späteren Zeitpunkt erneut ausgeliefert werden.

Das Problem der Letzte-Meile-Logistik ist und war die relativ kurze Übergangsphase von B2B zu B2C. Die Flut an Paketlieferungen und damit des Lieferverkehrs überholte die Entwicklung der Verkehrsinfrastruktur rasend schnell. Die Städte hatten kaum Gelegenheit, sich dahingehend anzupassen. Sie befinden sich bereits jetzt am Kapazitätslimit, während der Bedarf an Lieferungen weiter stetig steigt.

Auch die Umwelt leidet

Doch die Probleme sind nicht ausschließlich auf die Infrastruktur beschränkt; auch die Umwelt ist direkt betroffen. Die Versandfahrzeuge sind in den meisten Fällen Verbrenner. Sie fahren in der Stadt oft Stop-and-Go, schalten das Fahrzeug oft an und aus. Der Schadstoffausstoß ist hoch – gerade in Anbetracht der beschriebenen Menge des Versandverkehrs. Demzufolge ist auch die Luft- und Umweltbelastung sowie die (durch die Fahrzeuge entstehende) Lärmbelastung nicht zu vernachlässigen.

Alle Parteien – die Kommunen, die Versanddienstleister, die Empfänger/Anwohner – reagieren zunehmend frustriert auf die Situation. Den Zustellern sind die geringen Möglichkeiten zur Bündelung der Lieferungen sowie die Abwesenheit vieler Empfänger ein Dorn im Auge, den Empfängern die vielen verzögerten Lieferungen, den Städten selbstverständlich die Problematiken bezüglich der Infrastruktur und Umweltbelastungen. Lösungen für die Logistik auf der letzten Meile werden dringend gesucht.

Die Suche nach Lösungsansätzen verläuft fieberhaft

Und erste Vorschläge und Ansätze sind durchaus schon vorhanden. Einige schon ausgereifter und durchaus bereits praktikabel, andere noch etwas futuristischer und in der Testphase:

City Hubs: City Hubs sind lokale (und gegebenenfalls mobile) Distributionszentren. Versanddienstleister und Händler können ihre Lieferungen für den jeweiligen Zustellbereich an diesen Orten gebündelt anliefern. Anschließend werden die Pakete von dort aus weiter distribuiert. Im Idealfall nutzen diverse Zustelldienste diese City Hubs gemeinsam und die Weiterverteilung erfolgt klimaneutral per Lastenfahrrad oder zu Fuß. Aber auch große Distributionszentren außerhalb der Städte sind eine Möglichkeit. Dort können große Mengen an Lieferungen entgegengenommen und weiterverteilt werden – ohne dass zig zusätzliche Lieferfahrzeuge in die Stadt einfahren.

Sharing: Wie in vielen anderen Mobilitätssegmenten erfreut sich auch in der Logistik der Sharing-Ansatz immer größerer Beliebtheit. Unternehmen wie Nimber und Uber haben es schon vorgemacht: Mittels einer Datenplattform können dort Fahrer von Liefer- oder Privatfahrzeugen ungenutzten Laderaum zur Mitnahme von Lieferungen anbieten. Auch für Logistiker ist dies ein interessantes Konzept, trotz dass die Branche dieses Konzept noch kritisch beäugt. Die gemeinsame Nutzung von freien Ladeflächen und Stauraum kann jedoch ein wichtiges Instrument werden, die Effizienz von Lieferungen zu steigern.

Drohnen: Das vielleicht größte mediale Echo erhielt in der Vergangenheit die Idee, Pakete mit Drohnen auszuliefern. In Zürich haben Mercedes, der Online-Händler Siroop sowie der Drohnenentwickler Matternet ein Projekt gestartet um den Einsatz von Drohnen im Versand zu testen – Vans & Drones heißt dieser Test. Wird ein Produkt beim Onlinehändler bestellt fliegt die Drohne es autonom zum nächsten Haltepunkt, an welchem das Produkt dann vom Endzusteller angenommen und ausgeliefert wird. Auch wenn Projekte dieser Art und der Versand mit Drohnen im Allgemeinen noch eher Zukunftsmusik denn Realität darstellen, so zeigt diese Möglichkeit auf, dass gerade für kleine schnelle Lieferungen (etwa Essenslieferungen) weniger Lieferfahrzeuge benötigt werden müssten.

Elektromobilität: Dieser Ansatz löst vielleicht nicht das Problem des Verkehrsaufkommens, doch aber dessen Resultat – die Luftverschmutzung. Eine zunehmende Elektrifizierung der Lieferflotten würde dem Problem der Luft- und Umweltverschmutzung in den Städten entgegenwirken und auch die Lärmbelästigung senken.

Zusätzlich gibt es einige Bestrebungen die Auslieferung an sich zu vereinfachen. Etwa durch Packstation oder Paketboxen. Kunde zur Ware heißt das Stichwort in diesem Fall. Doch es wird deutlich, in welche Richtungen die potenziellen Lösungen gehen. Sie alle zeigen auf, dass neue Technologien, die Digitalisierung, oder einfach das gemeinsame Nutzen von Fläche in der Lage sind, die Herausforderungen der urbanen Logistik anzugehen.

Es braucht einen Mix an verschiedenen Ansätzen

Doch all diese Möglichkeiten zeigen auch: Es gibt nicht die eine Lösung auf der letzten Meile! Zum Beispiel werden Drohnen alleine das Paketaufkommen nicht bewältigen können. Oder die E-Mobilität an sich verringert nicht das hohe Verkehrsvolumen oder verbessert die Effizienz der Paketzustellungen.

Eine Mischung aus diversen Ansätzen macht viel mehr Sinn. City Hubs als lokale Distributionszentren ermöglichen eine höhere Bündelung der Sendungen und senken die Zahl der Lieferfahrzeuge. Lastenräder und E-Fahrzeuge senken den Schadstoffausstoß. Sharing der Ladeflächen sorgt für eine höhere Effizienz. Und digitale Lösungen, wie etwa das Tracking von Paketen, ermöglichen eine bessere Koordination zwischen Zustellern und Empfängern, sodass die Anlieferung problemfreier verläuft.

Ein gesamtheitliches Konzept aus diversen „kleinen” Lösungen für die Logistik der letzten Meile ist dementsprechend notwendig – und deutlich wertvoller als die langwierige Suche nach der einen Lösung.

Hero Image Source: Maarten van den Heuvel on Unsplash

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