Wir verwenden Cookies, um Ihre Benutzererfahrung zu verbessern. Wenn Sie mit dem Browsen auf unserer Website fortfahren, stimmen Sie der Verwendung von Cookies zu. Weitere Information. Ok, ich stimme zu.
NEW MOBILITY WORLD @IAA 2019Frankfurt/Main, 10. – 15. September, 2019
New Mobility World DE

Alternative Antriebe für Nutzfahrzeuge

By Editorial Team on April 20, 2018

LKW-Verkehr gleich Dieselverkehr. Der Straßengüterverkehr setzt immer noch stark auf den Dieselantrieb. Schließlich bietet der Diesel eine große Reichweite, besitzt eine verhältnismäßig hohe Effizienz und die Technik ist ausgereift. Durch die Verbesserung des Antriebs ist obendrein auch der Schadstoffausstoß zurückgegangen. Warum sollte die Branche also zügig alternative Antriebe weiterentwickeln und vor allem implementieren? All den technischen Fortschritten des Diesels zum Trotz, hat das Umweltbundesamt berechnet, dass durch das gestiegene Nutzfahrzeugaufkommen, der Ausstoß an Kohlendioxid-Emissionen zwischen 1995 und 2014 um 16% zugenommen hat. Und laut der Europäischen Union verursacht der Straßengüterverkehr circa 20% der Treibhausgas-Emissionen im EU-Raum.

Unsere Nutzfahrzeuge kommen nicht an den Herausforderungen und Entwicklungen der Mobilität der Zukunft vorbei: Die Weiterentwicklung alternativer Antriebe, mögliche Fahrverbote in vielen Städten sowie Innenstadtmauten, fossile Brennstoffe als endliche Ressource oder die Klimaerwärmung stellen den Dieselantrieb in Frage.

Doch die Logistik-Branche ist ein Innovationstreiber – Ein immenser Wettbewerbs- und hoher Effizienzdruck fördern neue Ideen und Innovationen.

Elektromobilität für die urbane Logistik

Die Logistik in den urbanen Regionen steht vor großen Problemen. Auch bedingt durch den Lieferverkehr, leidet die Luftqualität und die Umwelt in vielen Städten. Um dieser Herausforderung Herr zu werden planen viele Städte Europas die Einführung von Innenstadtmauten auf oder das Verbot von Verbrennern, beziehungsweise haben diese bereits eingeführt. Dies wird für viele Lieferfahrzeuge und Verteiler-LKW zu einem großen Problem, denn sie sind möglicherweise direkt von diesen Verboten und Mauten betroffen.

Gerade im Fernverkehr ist ein elektrischer Antrieb für Nutzfahrzeuge aufgrund der geringen Reichweite der Akkus schwierig umzusetzen. In den Städten aber, ist die Elektromobilität eine echte Alternative und bietet viele Vorteile: Sie würden sich lokal emissionsfrei fortbewegen, die Rekuperationstechnik würde im städtischen Stop-and-Go-Verkehr Energie für die Antriebe zurückgewinnen und die Reichweiten der Akkus sind für den Großteil der Lieferfahrzeuge und Verteiler-LKW in den Städten absolut ausreichend.

Zwar gibt es immer wieder Diskussionen um die schlechte Ladeinfrastruktur vieler Städte, doch ist dies eher ein Problem der PKW. Diese sind dezentral überall in der Stadt verteilt, und die langen Ladezeiten erfordern eine hohe Dichte an Ladestationen. LKW hingegen stehen in der Regel zentral auf Betriebshöfen. Hier wäre es deutlich einfacher auf diesen Höfen eine geeignete Ladeinfrastruktur aufzubauen, anhand welcher die Fahrzeuge während der Nachtzeit geladen werden können.

Und auch die Hersteller reagieren langsam auf die Herausforderungen. So haben bereits einige Konzerne wie Volvo, MAN oder Daimler angekündigt, ihr Angebot an elektrischen Nutzfahrzeugen auszubauen.

Alternativen für den Fernverkehr

Die Alternative für den LKW-Verkehr auf längeren Strecken lautet: Erdgas. Gasförmig (CNG) oder in flüssiger Form (LNG). Erdgas verbrennt deutlich sauberer als Diesel. Dadurch wird nicht nur der Schadstoffausstoß verringert, sondern auch die Notwendigkeit einer aufwendigen Abgasnachbehandlung reduziert und somit die Kosten für Treibstoff und Antrieb gesenkt. Gegenüber dem Elektroantrieb haben erdgasbetriebene Fahrzeuge eine deutlich höhere Reichweite. Das macht sie zu einer sinnvollen Alternative im Fernverkehr.

Jedoch ist die Energiedichte von normalem Erdgas (CNG) deutlich geringer als die von Diesel. Dementsprechend muss eine größere Menge verbrannt werden um die gleiche Reichweite zu erzielen. Die Folge sind regelmäßige Tankstopps oder größere und schwerere Tanks, welche an den Fahrzeugen angebracht werden müssen. Und hier tritt ein großes Problem des Erdgasantriebes zu Tage: dessen lückenhafte Tankstelleninfrastruktur in Deutschland.

Die Alternative, flüssiges Erdgas, lässt sich zwar weitaus höher verdichten als CNG und erzielt somit auch eine hohe Reichweite, jedoch ist die Zahl der LNG-Tankstellen noch geringer. Vorhanden sind diese oft nur in der Nähe von Seehäfen, wo das flüssige Erdgas mit speziellen Schiffen angelandet wird.

Die Europäische Union hat dieses Problem mittlerweile erkannt und plant den Bau einer Reihe von LNG-Tankstellen entlang eines Nord-Süd Korridors von der Mitte Schwedens bis nach Portugal. Anschließend soll auch eine West-Ost-Strecke errichtet werden. Genannt wird dieses Projekt Blue Corridor.

Hoher Wettbewerb in der Logistik ist Fluch und Segen zugleich

Bereits Eingangs wurde erwähnt, dass der hohe Wettbewerbs- und Effizienzdruck in der Logistik-Branche eine große Innovationsfreude fördert. Doch dieser Druck ist Fluch und Segen zugleich. Zwar wird stetig an neuen Ideen und Möglichkeiten geforscht; diese können sich jedoch erst am Markt durchsetzen, wenn sie sich wirtschaftlich lohnen. Denn die Punkte Kostenreduktion und Effizienzsteigerung sind in diesem Wettbewerbsverhältnis entscheidende Faktoren. In der Logistik-Branche wird, verständlicherweise, rational kalkuliert. Ein privater Autofahrer schafft sich vielleicht ein Elektrofahrzeug, gegen das Wissen um die Nachteile an, da er durch sein Umweltbewusstsein motiviert ist; für viele Unternehmen in der Logistik, im knallharten Wettbewerb, stellt dies aber ein großes Wagnis dar. Fahrzeuge mit alternativen Antrieben werden oft erst gekauft, wenn es sich wirtschaftlich lohnt.

Gerade die „neueren“ Antriebskonzepte Elektrizität und Erdgas sind dem Dieselantrieb dahingehend derzeit noch im Nachteil. Der Diesel ist technisch weit fortgeschritten und ausgereift. Elektrizitäts- und Erdgasantriebe haften jedoch noch individuelle Schwächen an. Seien es Anschaffungs- und Umrüstungskosten, Probleme mit der Reichweite, oder schlicht die Tankstelleninfrastruktur.

Alternative Antriebskonzepte bieten vorerst eine attraktive Alternative für den Kurz- und Mittelstreckenverkehr. Hier ist die Versorgung besser umzusetzen und die Luftqualität kann somit in urbanen Gebieten deutlich gesteigert werden. Eventuelle Fahrverbote und Innenstadtmauten sind ein weiteres Argument für elektrifizierte Nutzfahrzeuge. Im Fernverkehr müssen sich die Technologien aber noch vor allen in den Bereichen Kosten und Effizienz verbessern, bevor sie den Dieselantrieb ablösen können.

 

Hero Image Source: Nigel Tadyanehondo on Unsplash

Newsletter

Melden Sie sich hier an, um die aktuellsten NMW-Nachrichten und Branchentrends direkt in Ihrer Inbox zu erhalten.